Proktologie
Erkrankungen des Enddarms und des Analbereichs sind in der Bevölkerung weit verbreitet.
Obwohl sie für die Betroffenen oft mit einem hohen Leidensdruck und Schamgefühlen verbunden sind, lassen sie sich heute dank moderner und minimal-invasiver Operationstechniken hervorragend behandeln.
Eine frühzeitige Abklärung schützt vor chronischen Beschwerden
und gibt Ihnen schnellstmöglich Ihre Lebensqualität zurück.
Proktologische Erkrankungen und Behandlungen
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Hämorrhoiden
Hämorrhoiden sind im Grunde ein natürlicher Bestandteil des Körpers. Es handelt sich um ein gut durchblutetes Gefässpolster am Übergang des Mastdarms zum Analkanal, das für die Feinabdichtung des Afters sorgt. Erst wenn sich dieses Polster vergrössert und zu Beschwerden führt, spricht man von einem Hämorrhoidalleiden.
Betroffene bemerken dies oft durch schmerzlose, hellrote Blutungen beim Stuhlgang, anhaltenden Juckreiz, Nässen oder ein unangenehmes Fremdkörpergefühl. In frühen Stadien helfen oft schon eine ballaststoffreiche Ernährung, eine Regulierung des Stuhlgangs sowie lokale Behandlungen mit Salben und Zäpfchen.
Leichtgradige Hämorrhoiden, insbesondere bei Blutungen, behandeln wir ambulant und schmerzfrei in der Praxis mittels Gummibandligaturen.
Bei fortgeschrittenen Befunden setzen wir auf schonende, minimal-invasive Operationsverfahren wie die HAL/RAR-Methode oder bei grösseren Befunden auf die Hämorrhoidektomie mit einem modernen Gewebe-Verschmelzer (LigaSure Exact Dissector). Dieses Spezialinstrument verschliesst Blutgefässe durch sanften Druck und Wärme sofort und dauerhaft, noch während es schneidet. Für Sie bedeutet das: Keine Fremdkörper wie Clips oder Fäden im Gewebe, weniger Blutverlust, weniger Schmerzen und eine schnellere Heilung.
Analfissur
Eine Analfissur ist ein schmerzhafter Einriss in der empfindlichen Haut des Analkanals. Das Leitsymptom ist ein stechender, oft stundenlang anhaltender Schmerz während und nach dem Stuhlgang, der häufig von frischen Blutspuren am Toilettenpapier begleitet wird. Durch den starken Schmerz kommt es oft zu einer unwillkürlichen Verkrampfung des Schliessmuskels, was die Durchblutung stört und die Heilung behindert.
Die erste Therapie einer Fissur ist immer konservativ (ohne Operation) mit stuhlerweichenden Massnahmen und speziellen Salben, die den Schliessmuskel entspannen und die Durchblutung fördern.
Sollte die Fissur trotz diesen Massnahmen nicht abheilen, führen wir meistens eine operative Fissurektomie durch. Dabei wird das vernarbte Gewebe schonend entfernt, sodass eine saubere und dauerhafte Wundheilung einsetzen kann. Die Operation erfolgt in der Regel ambulant in einer kurzen Narkose.
Perianale Abszesse und Analfisteln
Abszesse und Fisteln im Analbereich hängen meist eng zusammen und entstehen in der Regel durch entzündete Drüsen im Analkanal. Ein Abszess stellt eine akute, schmerzhafte Eiteransammlung dar, die sich durch Schwellung, Rötung und manchmal auch Fieber bemerkbar macht. Hier ist eine zeitnahe operative Entlastung durch einen kleinen Schnitt notwendig, um den Schmerz sofort zu lindern.
Aus einem solchen Abszess kann sich eine chronische Analfistel entwickeln. Dies ist ein feiner, tunnelartiger Gang, der den Darm mit der äusseren Haut verbindet und durch ständiges Nässen oder Eiteraustritt auffällt. Die Behandlung von Analfisteln erfordert chirurgische Erfahrung, da der Schutz des Schliessmuskels oberste Priorität hat. Je nach Verlauf der Fistel kommen Schliessmuskel-schonende Verfahren wie die Fistelspaltung, eine Fadendrainage, oder plastische Verschlüsse zum Einsatz.
Marisken (Analfalten)
Marisken (engl. «skin tags») sind weiche, harmlose Hautläppchen am Afterausgang. Sie sind keine Hämorrhoiden und verursachen in der Regel keine Schmerzen. Oft bleiben sie als Hautüberschuss nach abgeheilten Thrombosen oder Schwangerschaften zurück. Obwohl sie medizinisch unbedenklich sind, können sie die Intimhygiene erschweren, Juckreiz auslösen oder kosmetisch stören. Manchmal können sie sich auch wiederholt entzünden und dann anschwellen.
Eine Behandlung ist nur bei Symptomen notwendig. Auf Wunsch entfernen wir Marisken schonend in einem kurzen, ambulanten Eingriff. Dieser kann je nach Befund auch in Lokalanästhesie erfolgen.
Analvenenthrombose
Eine Analvenenthrombose (oder Perianalvenenthrombose) ist ein plötzlich auftretendes Blutgerinnsel in den oberflächlichen Venen am Afterrand. Es bildet sich rasch ein bläulicher, praller und oft sehr schmerzhafter Knoten.
Häufige Auslöser sind starkes Pressen, langes Sitzen oder schweres Heben. Auch eine Episode von Verstopfung oder Durchfall kann eine Analvenenthrombose auslösen. Oft ist auch kein eindeutiger Auslöser vorhanden.
Die Behandlung ist in den meisten Fällen konservativ (also ohne Operation) mit abschwellenden Salben, lokalem Kühlen, Schmerztherapie und Stuhlregulation. Die Thrombosen bilden sich dann innerhalb 2-4 Wochen vollständig zurück.
Bei ausgeprägten, hartnäckigen oder wiederkehrenden Thrombosen kann eine kleine Operation helfen, die Thrombose effektiv zu behandeln. Dabei wird meist in Lokalanästhesie die Thrombose vollständig entfernt, die oberflächliche Wunde bleibt danach offen und schliesst sich von unten her (sekundäre Wundheilung).
Beckenbodenprobleme und Senkungsbeschwerden
Eine Beckenbodendysfunktion beschreibt eine Schwäche oder Fehlfunktion der Muskeln und Bänder, die die Organe im Unterleib an ihrem Platz halten. Ist der Mastdarm betroffen, leiden die Patient:innen häufig unter Stuhl-Entleerungsstörungen, dem sogenannten obstruktiven Defäkationssyndrom. Wenn sich die Darmwand bei Frauen in die Scheide vorwölbt, spricht man von einer Rektozele.
Nach einer fachübergreifenden Diagnostik, zu der auch dynamische Bildgebungen wie die MR-Defäkographie gehören können, nutzen wir zunächst alle konservativen Optionen wie spezialisierte Beckenbodengymnastik mit Biofeedback und auch Medikamente zur Stuhlregulation.
Bei ausgeprägten strukturellen Veränderungen bietet die moderne Chirurgie hocheffektive operative Lösungen. Durch minimal-invasive Verfahren wie eine laparoskopische Rektopexie können wir die anatomischen Verhältnisse wieder stabilisieren.
Bei kombinierten Beschwerden (z.B. Stuhlentleerungsstörungen zusammen mit Blasen- oder Scheidesenkung) besprechen wir die Fälle interdisziplinär an einer regelmässig stattfindenden Konferenz (Beckenbodenboard) mit anderen Beckenbodenspezialist:innen (der Gynäkologie, Urologie und Gastroenterologie).
Stuhlinkontinenz
Die Stuhlinkontinenz, also der ungewollte Abgang von Gasen oder Stuhl sowie die Unfähigkeit, den Stuhldrang sicher zu kontrollieren, schränkt den Alltag der Betroffenen massiv ein.
Die Ursachen sind vielfältig und reichen von Schliessmuskelverletzungen nach Geburten bis hin zu neurologischen Störungen oder chronischen Gewebeschwächen. Im Rahmen eines ganzheitlichen Therapieansatzes werden immer zuerst konservative Ansätze wie Ernährungsanpassungen, beckenbodenstärkendes Biofeedback und stuhlregulierende Medikamente voll ausgeschöpft.
Wenn diese Massnahmen nicht ausreichen, stehen uns effektive operative Wege offen. Liegt ein klarer mechanischer Defekt des Muskels vor, kann dieser durch eine Schliessmuskelrekonstruktion repariert werden.
Bei funktionellen Schwächen erzielen wir hervorragende Erfolge mit der sakralen Neuromodulation, einem minimal-invasiven Darmschrittmacher, der die Nerven des Beckenbodens sanft stimuliert und die Kontrollfähigkeit wiederherstellt.
Die sakrale Neuromodulation (SNM) kann den betroffenen Patient:innen ihre Lebensqualität zurückgeben.
Pilonidalsinus (Steissbeinfistel)
Der Pilonidalsinus (Sinus pilonidalis, früher auch Sakraldermoid genannt) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung in der Gesässfalte, die durch in die Haut eingewachsene Haare verursacht wird. Das Gewebe reagiert darauf mit Fremdkörperreaktionen, die zu schmerzhaften Schwellungen, Abszessen oder chronisch nässenden und blutenden Hautöffnungen führen.
Im akuten, schmerzhaften Abszessstadium steht die schnelle Entlastung durch einen Schnitt im Vordergrund. Dieser kleine Eingriff kann meist in einer lokalen Betäubung in unserem Praxis-OP erfolgen.
Für die dauerhafte Sanierung bieten wir massgeschneiderte Operationsverfahren an. In frühen oder begrenzten Stadien wenden wir oft die minimal-invasive Sinusektomie an, wo in einer kleinen Operation nur der betroffene Sinus entfernt wird, unter Schonung des umgebenden Gewebes.
Bei ausgedehnten oder wiederkehrenden Befunden nutzen wir plastische Schwenklappen-Verfahren wie z.B. die Karydakis-Plastik. Die Operationstechnik verhindert durch die Verschiebung der Operationsnaht aus der Gesässfalte und die gleichzeitige Abflachung der Rima ani das erneute Einwachsen von Haaren, was zu einer extrem niedrigen Rückfallquote führt.
Ein weiterer grosser Vorteil der Technik ist, dass die Wunde direkt verschlossen wird und dadurch den Patient:innen die oft langwierige offene Wundheilung erspart bleibt.
Häufig gestellte Fragen
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Wie bereite ich mich auf eine proktologische Operation vor?
Eine aufwendige Vorbereitung oder tagelanges Fasten ist in der Regel nicht notwendig.
Es braucht auch kein Abführen wie vor einer Darmspiegelung.
Je nach Eingriff erhalten sie vor der Operation einen kleinen Einlauf. Alle Details besprechen wir vorab individuell im Aufklärungsgespräch.
Findet der Eingriff ambulant oder stationär statt?
Die meisten proktologischen Eingriffe führen wir ambulant durch. Sie können sich nach einer kurzen Überwachungsphase direkt in Ihrer gewohnten Umgebung zu Hause erholen. Nur bei medizinischen Risikofaktoren oder grösseren Operation ist ein kurzer stationärer Aufenthalt im Krankenhaus ratsam.
(z.B. Rektopexie, komplexere Fisteloperation, Lappenplastik bei Pilonidalsinus)
Welche Narkoseform wird für die Operation gewählt?
Je nach Art des Eingriffs und Ihrem persönlichen Wunsch operieren wir in einer kurzen Vollnarkose, einer rückenmarksnahen Regionalanästhesie oder in örtlicher Betäubung.
Unser Anästhesieteam wählt gemeinsam mit Ihnen das sicherste und angenehmste Verfahren aus.
Wie läuft die Nachbehandlung der Wunde zu Hause ab?
Die wichtigste Massnahme ist eine gründliche und sanfte Hygiene. Da die Operationswunden im Analbereich oft teilweise offen bleiben, empfehlen wir Ihnen, die Wunde nach jedem Toilettengang mit klarem, lauwarmem Wasser auszduschen und danach vorsichtig trockenzutupfen. Verzichten Sie in den ersten Wochen komplett auf trockenes Toilettenpapier, Intimsprays oder Feuchttücher.
Was kann ich selbst tun, um die Wundheilung optimal zu unterstützen?
Achten Sie auf eine ballaststoffreiche Ernährung und trinken Sie ausreichend Wasser, um Ihren Stuhlgang dauerhaft weich zu halten. Vermeiden Sie starkes Pressen auf der Toilette. Ein weicher Stuhl schont die frische Operationswunde im Analbereich am effektivsten und verhindert Schmerzen. Wir verschreiben Ihnen auch leichte Abführmittel, welche bei Bedarf die Stuhlregulation unterstützen können.
Wann darf ich nach dem Eingriff wieder Sport treiben oder baden?
Leichte körperliche Bewegung (wie Spaziergänge) ist sofort erlaubt und fördert die Durchblutung. Auf intensiven Sport, schweres Heben, Radfahren sowie Vollbäder und Saunagänge sollten Sie jedoch für etwa zwei bis vier Wochen verzichten, bis die Wunde stabil verheilt ist. Duschen ist ab dem ersten Tag erlaubt.