Übergewicht / Adipositas
Adipositas ist eine chronische Erkrankung und keine Frage von Willenskraft oder Disziplin. Der Körper verteidigt ein einmal erreichtes Gewicht aktiv über Hormone und Stoffwechsel. Das ist der Grund, weshalb Diäten langfristig so oft scheitern. Eine erfolgreiche Behandlung setzt deshalb an mehreren Punkten gleichzeitig an: Ernährung, Bewegung, Verhalten, Medikamente und, bei ausgeprägtem Übergewicht, die Operation. Welche Kombination für Sie sinnvoll ist, besprechen wir in Ruhe und ohne Druck in unserer Sprechstunde. Auch eine Begleitung ohne Operation ist möglich.
Kurze Wartezeiten und klare Abläufe
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Termin innert weniger Tage, Abklärung ohne Leerlauf
Einen Termin für das Erstgespräch erhalten Sie bei uns in der Regel innerhalb weniger Tage. An grossen Adipositaszentren vergehen bis zum ersten Termin nicht selten mehrere Monate, teilweise über ein halbes Jahr. Wer sich zu diesem Schritt entschlossen hat, soll nicht warten müssen.
Abklärung ohne Leerlauf
Wir koordinieren die einzelnen Abklärungsschritte für Sie und legen sie wo immer möglich zusammen, damit Sie nicht für jede Untersuchung einzeln anreisen müssen. Die Befunde laufen bei uns zusammen, die Besprechung im interdisziplinären Team erfolgt zeitnah. So bleibt der Weg von der ersten Sprechstunde bis zur Operation kurz und für Sie jederzeit nachvollziehbar.
Eine Ansprechperson
Sie werden von der ersten Sprechstunde über die Operation bis in die Nachsorge von demselben Arzt betreut (PD Dr. med. M. Kraljevic). Bei Fragen zwischendurch sind wir telefonisch oder per E-Mail direkt erreichbar.
Die Erkrankung
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Ab wann spricht man von Adipositas?
Massgebend ist der Body-Mass-Index (BMI, Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergrösse in Metern zum Quadrat). Ab einem BMI von 25 spricht man von Übergewicht, ab 30 von Adipositas (Grad I: 30 bis 34,9; Grad II: 35 bis 39,9; Grad III: ab 40). Der BMI allein bildet die Erkrankung allerdings nicht vollständig ab. Ebenso wichtig sind die Fettverteilung (insbesondere das Bauchfett), Begleiterkrankungen und die Einschränkung im Alltag.
Mögliche Folge- und Begleiterkrankungen
Adipositas begünstigt Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Schlafapnoe, die Fettleber, Sodbrennen (Reflux), Gelenkbeschwerden sowie unerfüllten Kinderwunsch. Zudem steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und für verschiedene Krebsarten. Viele Betroffene leiden zusätzlich unter der psychischen und sozialen Belastung der Erkrankung.
Therapiemöglichkeiten
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Ernährung, Bewegung und Verhalten
Die Basis jeder Behandlung, vor und nach einer allfälligen Operation. Gerne begleiten wir Sie auch dann, wenn eine Operation für Sie (noch) nicht in Frage kommt: In Zusammenarbeit mit Ernährungsberatung und weiteren Fachpersonen erarbeiten wir ein Programm, das in Ihren Alltag passt, und betreuen Sie über längere Zeit. Alleine erreicht man damit realistischerweise eine Gewichtsabnahme von etwa 5 bis 10 Prozent; für viele ist das bereits gesundheitlich relevant.
Medikamentöse Therapie
Mit den modernen Wirkstoffen aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptoragonisten, insbesondere Semaglutid (Wegovy) und Tirzepatid (Mounjaro), lässt sich eine Gewichtsabnahme von rund 15 bis 20 Prozent erreichen. Sie sind eine wertvolle Option: als eigenständige Therapie, zur Vorbereitung auf eine Operation oder zur Unterstützung im Verlauf. Ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt, hängt von Ihrem BMI, Ihren Begleiterkrankungen und der bisherigen Behandlung ab; wir klären das vor Therapiebeginn für Sie ab. Wichtig zu wissen: Nach dem Absetzen kommt es in der Regel zu einer erneuten Gewichtszunahme, die Therapie ist also langfristig angelegt.
Operative Therapie
Bei ausgeprägter Adipositas ist die Operation das wirksamste und am besten untersuchte Verfahren, sowohl bezüglich Gewicht als auch bezüglich Begleiterkrankungen und Lebenserwartung. Sie ersetzt die übrigen Bausteine nicht, sondern macht sie wirksam.
Operationen
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Schlauchmagen (Sleeve-Gastrektomie)
Der Magen wird zu einem schmalen Schlauch verkleinert, der Rest entfernt. Die Nahrungsmenge wird begrenzt und die Ausschüttung des Hungerhormons Ghrelin reduziert. Der Verdauungsweg bleibt unverändert, was den Eingriff technisch einfacher macht und die Aufnahme von Nährstoffen weniger beeinträchtigt. Bei bestehendem Sodbrennen ist der Schlauchmagen meist nicht die erste Wahl.
Roux-en-Y-Magenbypass
Es wird ein kleiner Magenpouch gebildet und mit dem Dünndarm verbunden. Neben der eingeschränkten Nahrungsmenge verändern sich vor allem die hormonellen Signale zwischen Darm, Bauchspeicheldrüse und Gehirn. Deshalb wirkt der Bypass besonders gut auf einen Diabetes Typ 2 und auf Reflux.
Revisions- und Zweiteingriffe
Kommt es nach einer Voroperation zu erneuter Gewichtszunahme, zu hartnäckigem Reflux oder zu anderen Beschwerden, kann ein Zweiteingriff sinnvoll sein (z. B. Umwandlung eines Schlauchmagens in einen Magenbypass). Diese Eingriffe sind anspruchsvoller als Ersteingriffe und gehören in erfahrene Hände.
Gut zu wissen
Alle Eingriffe führen wir minimal-invasiv durch, laparoskopisch oder robotisch assistiert, über wenige kleine Schnitte, mit rascher Erholung und geringem Wundschmerz. Die robotische Technik bietet gerade bei anspruchsvollen Situationen und Zweiteingriffen eine bessere Sicht und feinere Instrumentenführung. Die Indikation wird immer interdisziplinär gestellt, gemeinsam mit Ernährungsberatung, Endokrinologie und psychologischer Fachperson. Operiert wird an einem von der SMOB (Swiss Society for the Study of Morbid Obesity and Metabolic Disorders) anerkannten Zentrum.
Häufig gestellte Fragen
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Ab welchem Gewicht kommt eine Operation in Frage?
In der Schweiz ist eine Operation ab einem BMI von 35 kg/m² möglich, wenn zuvor während insgesamt zwei Jahren ernsthaft und ärztlich begleitet versucht wurde, das Gewicht zu reduzieren. Bei sehr hohem BMI verkürzt sich diese Frist. Für Patientinnen und Patienten mit einem schwer einstellbaren Diabetes Typ 2 ist ein Eingriff bereits ab einem BMI von 30 kg/m² möglich (metabolische Chirurgie). Eine Altersobergrenze gibt es nicht; entscheidend ist die individuelle Gesamtsituation.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Ja. Sind die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt und wird der Eingriff an einem SMOB-anerkannten Zentrum durchgeführt, handelt es sich um eine Pflichtleistung der Grundversicherung. Ein Kostengutsprachegesuch ist in diesem Fall nicht nötig. Bei Revisionseingriffen und Sondersituationen gelten abweichende Regeln, die wir für Sie abklären.
Bieten Sie auch eine Behandlung ohne Operation an?
Ja. Ein grosser Teil unserer Patientinnen und Patienten wird nicht operiert. Auf Wunsch übernehmen wir die konservative Therapiebegleitung mit Ernährungs- und Bewegungsberatung, medikamentöser Unterstützung und regelmässigen Verlaufskontrollen. Eine Operation ist nie der erste Schritt und nie eine Voraussetzung dafür, dass wir Sie betreuen.
Wie läuft die Abklärung ab und wie lange dauert sie?
Nach dem Erstgespräch in unserer Praxis folgen die Ernährungsberatung, eine endokrinologische und eine psychologische Beurteilung sowie eine Magenspiegelung, teils bei uns, teils bei assoziierten Partnern in der Region, die wir für Sie koordinieren. Anschliessend wird Ihr Fall im interdisziplinären Team besprochen und das Verfahren gemeinsam mit Ihnen festgelegt. Je nach Vorgeschichte dauert dieser Prozess einige Wochen bis wenige Monate.
Wo werden die Operationen durchgeführt?
An unseren Partnerkliniken, die beide von der SMOB anerkannt sind: an der Hirslanden Klinik St. Anna in Luzern (Referenzzentrum) und am Spital Dornach (Primärzentrum). Die Sprechstunde, die Abklärungen und die Nachsorge finden in unserer Praxis in Basel sowie bei assoziierten Partnern in der Region statt.
Wie lange dauert die Operation und der Spitalaufenthalt?
Die Operation dauert je nach Verfahren rund 60 Minuten. Der Spitalaufenthalt beträgt in der Regel 2 bis 3 Nächte.
Wie lange kann ich nicht arbeiten, wann darf ich wieder Sport treiben?
Bei einer sitzenden Tätigkeit sind Sie meist nach 2 bis 3 Wochen wieder arbeitsfähig, bei körperlich schwerer Arbeit nach 4 bis 6 Wochen. Spazieren dürfen Sie ab dem ersten Tag. Auf schweres Heben und auf Bauchmuskeltraining sollten Sie für 4 bis 6 Wochen verzichten; danach ist jede sportliche Aktivität wieder erlaubt und ausdrücklich erwünscht.
Wie viel Gewicht verliere ich?
Nach einem Magenbypass verlieren die meisten Patientinnen und Patienten rund 30 Prozent, nach einem Schlauchmagen rund 25 Prozent ihres Ausgangsgewichts. Der tiefste Punkt wird nach etwa 12 bis 18 Monaten erreicht. Ein Teil der Abnahme hängt von Ihnen ab. Die Operation ist ein sehr wirksames Werkzeug, aber kein Selbstläufer.
Verbessern sich meine Begleiterkrankungen?
In vielen Fällen deutlich. Ein Diabetes Typ 2 bildet sich bei einem grossen Teil der Betroffenen zurück, oft schon in den ersten Wochen nach dem Eingriff. Auch Bluthochdruck, Schlafapnoe, Fettleber, Gelenkbeschwerden und Fettstoffwechselstörungen bessern sich häufig. Medikamente müssen deshalb nach der Operation engmaschig angepasst werden.
Wie ernähre ich mich nach der Operation?
In den ersten Wochen erfolgt ein stufenweiser Kostaufbau von flüssig über püriert zu fester Nahrung. Danach gilt dauerhaft: kleine Portionen, langsam essen, gut kauen, eiweissreich, und nicht zur Mahlzeit trinken. Sie werden dabei von der Ernährungsberatung begleitet.
Muss ich lebenslang Vitamine einnehmen?
Ja. Nach beiden Verfahren sind Nahrungsergänzungsmittel dauerhaft nötig, insbesondere ein Multivitaminpräparat, Vitamin B12, Vitamin D, Kalzium und je nach Situation Eisen. Regelmässige Blutkontrollen gehören deshalb fest zur Nachsorge.
Was sind mögliche Komplikationen?
Bariatrische Operationen gehören heute zu den sicheren Eingriffen; das Risiko ist mit jenem einer Gallenblasenentfernung vergleichbar. Frühe Komplikationen wie eine Nachblutung oder eine undichte Klammernaht sind selten (etwa 1 bis 2 Prozent), können aber einen erneuten Eingriff nötig machen. Im weiteren Verlauf sind Gallensteine, Sodbrennen (vor allem nach Schlauchmagen), innere Hernien (nach Magenbypass), Dumping-Beschwerden sowie Vitamin- und Mineralstoffmängel möglich. Die meisten dieser Probleme lassen sich mit guter Nachsorge früh erkennen und behandeln.
Wie sieht die Nachsorge aus?
Kontrollen erfolgen nach 3, 6 und 12 Monaten und danach jährlich, während mindestens fünf Jahren, empfohlen lebenslang. Dazu gehören Gewichtsverlauf, Laborkontrollen, Ernährungsberatung und die Anpassung Ihrer Medikamente. Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt wird in die Nachbetreuung eingebunden.
Kann ich nach der Operation wieder zunehmen?
Eine gewisse Zunahme nach dem Tiefpunkt ist normal. Eine ausgeprägte erneute Gewichtszunahme betrifft eine Minderheit und hat meist mehrere Ursachen. Je nach Situation helfen eine intensivierte Ernährungs- und Verhaltenstherapie, eine medikamentöse Unterstützung oder ein Zweiteingriff. Wichtig ist, sich früh zu melden und nicht erst nach Jahren.
Reichen die neuen Abnehmspritzen nicht aus?
Für viele Betroffene sind sie eine gute Option, und wir setzen sie regelmässig ein, auch ohne dass eine Operation geplant ist. Bei ausgeprägter Adipositas ist der Gewichtsverlust nach einer Operation jedoch grösser und deutlich stabiler, und die Wirkung auf Begleiterkrankungen ist besser belegt. Medikament und Operation sind keine Gegensätze, sie ergänzen sich.
Ich habe einen Kinderwunsch: Was muss ich beachten?
Die Fruchtbarkeit verbessert sich nach dem Eingriff oft rasch, auch bei zuvor unerfülltem Kinderwunsch; an eine zuverlässige Verhütung sollte deshalb frühzeitig gedacht werden. Empfohlen wird, mit einer Schwangerschaft 12 bis 18 Monate zuzuwarten, bis sich das Gewicht stabilisiert hat. Eine Schwangerschaft nach bariatrischer Operation ist gut möglich, erfordert aber eine engmaschige Kontrolle der Vitamin- und Nährstoffwerte.
Was passiert mit der überschüssigen Haut?
Nach starker Gewichtsabnahme bleibt häufig überschüssige Haut zurück. Eine Körperkonturierung ist frühestens dann sinnvoll, wenn das Gewicht seit etwa 12 bis 18 Monaten stabil ist. Wir vermitteln Sie in diesem Fall an unsere plastisch-chirurgischen Partner. Die Kostenübernahme muss individuell geklärt werden.
Was ändert sich sonst noch dauerhaft?
Alkohol wirkt nach einem Magenbypass schneller und stärker. Auf Rauchen sollte konsequent verzichtet werden, und entzündungshemmende Schmerzmittel (z. B. Ibuprofen, Diclofenac) sollten Sie meiden, da sie Geschwüre im Bereich der Verbindungsnaht begünstigen. Für Schmerzen gibt es gut verträgliche Alternativen.